Treppen, Rampen und Springen beim Hund – was sagt die Forschung?

"Treppen sind schlecht für die Gelenke."

"Hunde sollten besser immer eine Rampe benutzen."

"Aus dem Auto zu springen ist kein Problem, solange der Hund gesund ist."

Rund um Treppen, Rampen und das Ein- und Aussteigen aus dem Auto gibt es viele solcher Aussagen. Doch was davon ist wissenschaftlich tatsächlich belegt?

Die kurze Antwort: Die Studienlage ist deutlich differenzierter. Treppen, Rampen und Sprünge stellen unterschiedliche Anforderungen an den Körper eines Hundes. Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, vom Gesundheitszustand, von der Körpergröße und von der konkreten Konstruktion ab.

Wir bei Fellbengel verkaufen selbst Hundetreppen. Gerade deshalb ist uns wichtig, die Forschung nicht einseitig auszulegen. Auf dieser Seite zeigen wir auch Ergebnisse, die gegen eine pauschale Empfehlung für Treppen sprechen – und benennen offen, wo die Wissenschaft bisher keine eindeutige Antwort liefert.

Kurz gesagt

Die Studienlage stützt nicht die pauschale Aussage, dass normales Treppensteigen grundsätzlich schädlich für Hunde ist.

Biomechanische Belastung ist nicht automatisch Gelenkschaden. Andere Gelenkwinkel oder höhere Kräfte beweisen noch keine langfristige Erkrankung.

Welpen und bereits erkrankte Hunde müssen gesondert betrachtet werden. Für sehr junge Hunde großer Rassen gibt es einen ernstzunehmenden Risikohinweis.

Eine Rampe ist nicht automatisch die wissenschaftlich „schonendere“ Lösung. Treppe und Rampe stellen je nach Situation unterschiedliche Anforderungen.

Beim Herunterspringen aus größerer Höhe wurden höhere vertikale Spitzenkräfte auf den Vordergliedmaßen gemessen.

Für die Frage „Treppe oder Rampe am Auto?“ gibt es derzeit keinen wissenschaftlich belegten universellen Sieger.

Title

Sind Treppen wirklich grundsätzlich schlecht für Hunde?

Für gesunde erwachsene Hunde gibt es derzeit keine belastbare Evidenz dafür, dass normales Treppensteigen generell Gelenkschäden verursacht.
 

Das ist etwas anderes als die Aussage, Treppen seien nachweislich völlig ungefährlich. Dafür fehlen entsprechende Langzeitstudien ebenfalls.
 

Ein systematischer Review zu Risikofaktoren für Arthrose und Erkrankungen, die Arthrose begünstigen können, zeigt, dass Faktoren wie Rasse, Alter und Körpergewicht eine wichtige Rolle spielen.
 Gleichzeitig bestehen bei vielen möglichen Umwelt- und Bewegungsfaktoren noch Forschungslücken. [1]
 

Wissenschaftlich sauber ist deshalb weder:

Zu pauschal

"Treppen sind Gift für Hunde."

Zu pauschal

"Treppen sind für jeden Hund  völlig unprolematisch."

Entscheidend ist, welcher Hund welche Treppe unter welchen Bedingungen benutzt.

Was passiert beim Treppenlaufen eigentlich?

Treppensteigen ist nicht einfach normales Gehen auf einer anderen Höhe. Ein Hund muss seine Pfoten gezielter platzieren und seine Gelenke teilweise über andere beziehungsweise größere Bewegungsbereiche führen.
 

Bei gesunden Hunden wurde beispielsweise gezeigt, dass die Gelenke der Hinterbeine beim Treppenaufstieg größere Bewegungsumfänge durchlaufen als bei ebener Fortbewegung. [2]
 

Auch beim Hinuntergehen unterscheiden sich die Bewegungen: In einer Studie bewegten sich Hüfte, Knie und Sprunggelenk beim Treppenabstieg über einen größeren Bereich als beim Abstieg über eine kontinuierliche geneigte Fläche mit gleicher Steigung. [3]

Mehr  Belastung bedeutet nicht automatisch mehr Verschleiß

Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Interpretation solcher Studien.
 

Wissenschaftler können beispielsweise messen:

Gemessen wird

Daraus folgt nicht automatisch

ein größerer Gelenkbewegungsumfang

mehr Arthrose

ein anderer Gelenkwinkel

Gelenkschaden

mehr Muskelaktivität

langfristig mehr Nutzen oder Schaden

eine höhere Bodenreaktionskraft

ein späteres Erkrankungsrisiko

Biomechanische Unterschiede sind trotzdem relevant. Sie zeigen, dass der Körper bei verschiedenen Bewegungen unterschiedlich beansprucht wird.
 

Ob aus dieser Beanspruchung langfristig eine Erkrankung entsteht, ist aber eine andere wissenschaftliche Frage. Dafür braucht es Studien, die Hunde über längere Zeit beobachten und tatsächliche Erkrankungen untersuchen.

Warum Stufen in Training und Physiotherapie trotzdem eingesetzt werden

Dass Treppen bestimmte Gelenke stärker durch ihren Bewegungsumfang führen, muss nicht grundsätzlich negativ sein.
 

Stufen, Steigungen und ähnliche Bewegungsaufgaben können in kontrollierten Trainings- oder Rehabilitationsprogrammen gezielt eingesetzt werden. Studien zeigen, dass sich durch solche Übungen Bewegungsumfänge bestimmter Gelenke und teilweise auch die Muskelaktivität verändern lassen. [2–5]
 

So kamen die Autoren einer Studie zum Treppenabstieg beispielsweise zu dem Schluss, dass die größere Gelenkbewegung therapeutisch interessant sein könnte. Gleichzeitig könne eine kontinuierliche Rampe für Hunde mit bereits eingeschränkter Beweglichkeit leichter zu bewältigen sein. [3]

Das bedeutet  nicht, dass möglichst häufiges Treppenlaufen für jeden Hund gesund oder therapeutisch sinnvoll ist.

Welche Bewegungsaufgabe sinnvoll ist, hängt vom individuellen Hund, seinem Gesundheitszustand und dem jeweiligen Trainings- oder Rehabilitationsziel ab.

Nicht jeder Hund ist gleich

Bei sehr jungen Welpen ist besondere Vorsicht sinnvoll

Eine der wichtigsten Studien zu diesem Thema begleitete 501 Hunde aus 103 Würfen. Untersucht wurden Labrador Retriever, Neufundländer, Leonberger und Irish Wolfhounds von der Geburt bis zur späteren Röntgenuntersuchung der Hüften. [6]

Studie

Krontveit et al., 2012

Was wurde untersucht?

501 Hunde aus vier großen Rassen wurden vom frühen Welpenalter bis zur späteren Untersuchung auf Hüftdysplasie begleitet.

Was kam heraus?

Tägliche Treppennutzung während der ersten drei Lebensmonate war mit höheren Chancen für eine später radiografisch festgestellte Hüftdysplasie verbunden.

Wie ist das einzuordnen?

Der Befund ist ein ernstzunehmender Hinweis darauf, dass die sehr frühe Wachstumsphase anders beurteilt werden sollte als das Erwachsenenalter.

Wichtig

Die Studie zeigt eine statistische Assoziation – keinen Beweis, dass Treppen Hüftdysplasie verursachen. Außerdem wurden nur vier große Rassen untersucht und weder genaue Stufenmaße noch die tägliche „Dosis“ des Treppenlaufens erfasst.

Zur Studie: PubMed [6]

Aus dieser Studie lässt sich deshalb kein allgemeines Treppenverbot für Hunde ableiten. Sie spricht aber dafür, sehr junge, insbesondere großwüchsige Hunde nicht einfach mit gesunden erwachsenen Hunden gleichzusetzen.

Warum kranke Hunde häufig Probleme mit Treppen haben

Hunde mit Arthrose, Hüftproblemen oder Schmerzen können beim Treppensteigen sichtbar Schwierigkeiten haben.
 

Das wird auch wissenschaftlich genutzt: In einer Untersuchung zu Arthrose wurden unter anderem das Hinauf- und Hinuntergehen von Treppen als funktionelle Aufgaben bewertet. [7]

Studie

Wright et al., 2022

Was wurde untersucht?

Bei Hunden mit Arthrose wurden verschiedene Alltagsbewegungen gefilmt und bewertet – darunter das Hinauf- und Hinuntergehen von Treppen.

Was kam heraus?

Einige Hunde zeigten Einschränkungen bei diesen Bewegungen. Unter einer Schmerzbehandlung verbesserten sich verschiedene funktionelle Aufgaben.

Wie ist das einzuordnen?

Schwierigkeiten auf Treppen können eine bereits bestehende Bewegungseinschränkung sichtbar machen.

Wichtig

Die Studie untersucht nicht, wodurch die Arthrose ursprünglich entstanden ist.

Zur Studie: PubMed [7]

Der entscheidende Unterschied lautet also:

Ein Hund mit Arthrose kann Probleme mit Treppen haben. Daraus folgt nicht, dass die Treppen seine Arthrose verursacht haben.

Auch Hunde mit Hüftdysplasie und Hüftarthrose zeigen bei Treppen und anderen anspruchsvolleren Bewegungsaufgaben andere Bewegungs- und Belastungsmuster als gesunde Hunde. [8]
 

Das spricht dafür, bei bereits erkrankten Hunden individuell zu entscheiden – nicht dafür, Treppen pauschal als Ursache ihrer Erkrankung zu betrachten.

Ist eine Rampe automatisch besser als eine Treppe?

Die intuitive Vorstellung klingt zunächst logisch: Eine Rampe hat keine einzelnen Stufen und müsste deshalb automatisch weniger anspruchsvoll für die Gelenke sein.
 

Die direkten Vergleichsstudien zeigen jedoch ein komplexeres Bild.

Studie

Carr et al., 2013

Was wurde untersucht?

Acht gesunde erwachsene Hunde gingen eine Treppe und eine Rampe mit jeweils etwa 35° Neigung hinauf. Dabei wurden die Bewegungen der Vorderbeingelenke gemessen.

Was kam heraus?

Auf der Rampe bewegten sich Schulter, Ellbogen und Karpalgelenk insgesamt über einen größeren Bewegungsumfang als auf der Treppe.

Wie ist das einzuordnen?

Eine Rampe bedeutet also nicht automatisch weniger Gelenkbewegung.

Wichtig

Gemessen wurden Gelenkwinkel – keine Gelenkschäden, Schmerzen oder langfristigen Erkrankungen. Außerdem handelte es sich um nur acht Hunde und einen konkreten Versuchsaufbau.

Zur Studie: PubMed [9]

Beim Hinuntergehen zeigte sich wiederum ein anderes Bild: In der Studie von Millard et al. bewegten sich bestimmte Gelenke der Hintergliedmaßen auf der Treppe über einen größeren Bereich als auf einer kontinuierlichen Gefällestrecke gleicher Neigung. [3]
 

Auch Untersuchungen der Vordergliedmaßen beim Abstieg zeigen, dass Treppen und Rampen unterschiedliche Bewegungsmuster erzeugen. [10]
 

Das ist kein Widerspruch.
 

Es zeigt vielmehr:

Ob Treppe oder Rampe biomechanisch anspruchsvoller ist, hängt unter anderem davon ab, ob der Hund hinauf- oder hinuntergeht, welches Gelenk betrachtet wird und wie die jeweilige Konstruktion aussieht.

Die vorhandenen Studien liefern deshalb keinen allgemeinen biomechanischen Sieger.

Eine Rampe ist nicht einfach „eine Rampe“

Besonders wichtig ist die Neigung.

Bei gleicher Ladehöhe wird eine kürzere Rampe automatisch steiler.

Beispiel: 70 cm Ladehöhe

Rampenlänge

ungefährer Winkel

150cm

27,8°

180cm

22,9°

200cm

20,5°

Schon dadurch können sich die Bewegungsanforderungen deutlich verändern. Untersuchungen an geneigten Flächen zeigen beispielsweise, dass Veränderungen der Steigung Gelenkbewegungen, Muskelaktivität und die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hintergliedmaßen beeinflussen können. [5, 11]
 

Deshalb lässt sich eine Studie mit einer bestimmten Laborrampe nicht automatisch auf jede Autorampe übertragen.
 

Neben Länge und Winkel spielen in der Praxis außerdem Breite, Stabilität und Rutschfestigkeit eine Rolle.

Was passiert beim Springen aus dem Auto?

Für diesen Bereich gibt es eine besonders direkt relevante Studie.
 

Pardey et al. untersuchten 15 gesunde erwachsene Hunde, die aus drei Höhen sprangen, die typische Kofferraum-Ladekanten simulieren sollten. [12]

Studie

Pardey et al., 2018

Was wurde untersucht?

15 Hunde sprangen aus Höhen von 55, 65 und 75 cm auf eine Kraftmessplatte.

Was kam heraus?

Mit zunehmender Höhe stieg die gemessene vertikale Spitzenkraft auf die Vordergliedmaßen:

Zwischen 55 und 75 cm lag die gemessene vertikale Spitzenkraft damit rund 25 % höher.

Wie ist das einzuordnen?

Die Höhe eines Sprungs beeinflusst die mechanische Belastung bei der Landung messbar.

Wichtig

Die Studie zeigt nicht, dass diese Kräfte Arthrose oder andere Erkrankungen verursachen. Sie verglich das Springen außerdem nicht direkt mit einer Treppe oder Rampe.

Zur Studie: PubMed [12]

Der wissenschaftlich saubere Schluss lautet deshalb:

Zu weitgehend

„Springen aus dem Auto macht sofort die Gelenke kaputt.“

Belegt

„Beim Herunterspringen aus größerer Höhe wurden höhere vertikale Landespitzenkräfte gemessen.“

Was häufige solche Belastungen langfristig für die Gelenkgesundheit bedeuten, ist bisher nicht ausreichend geklärt.

Was bedeutet das für Hundetreppe und Hunderampe am Auto?

An diesem Punkt lässt sich die Forschung vorsichtig auf reale Einstiegshilfen übertragen.

Bei einer Rampe zählen unter anderem

Länge

Neigungswinkel

Ladehöhe

Breite

Stabilität

Rutschfestigkeit

Bei einer Treppe zählen unter anderem

Stufenhöhe

Stufentiefe

Anzahl der Stufen

Breite

Stabilität

Rutschfestigkeit

Eine lange, relativ flache und stabile Rampe stellt eine andere Bewegungsaufgabe dar als eine kurze, steile Rampe.
 

Auch „Hundetreppe“ ist also keine einheitliche Konstruktion. Eine Treppe mit hohen und kurzen Stufen kann biomechanisch etwas anderes verlangen als eine flach eingestellte Konstruktion mit größeren Auftrittsflächen.

Was ist besser – Treppe oder Rampe?

Die aktuelle Forschung erlaubt darauf keine pauschale Antwort.

Eine passende, ausreichend flache und stabile Rampe kann für einen Hund sinnvoll sein.
 

Eine passend dimensionierte Treppe kann für einen anderen Hund gut funktionieren.
 

Gerade bei Schmerzen, ausgeprägten Bewegungseinschränkungen oder orthopädischen beziehungsweise neurologischen Erkrankungen sollte die individuelle Situation stärker gewichtet werden als eine pauschale Regel „Treppe“ oder „Rampe“.
 

Was wir aus der Forschung derzeit nicht ableiten dürfen, ist:

Nicht belegt

„Studien beweisen, dass eine Hundetreppe gelenkschonender ist.“

Nicht belegt

„Eine Rampe ist grundsätzlich gelenkschonender.“

Und wo kommt Fellbengel ins Spiel?

Unsere eigenen Hundetreppen haben bestimmte praktische Konstruktionsmerkmale – etwa durchgehende Auftrittsflächen, rutschhemmende Oberflächen und  eine veränderbare Geometrie.
 

Diese Eigenschaften können für die praktische Nutzung relevant sein.
 

Sie sind aber kein wissenschaftlicher Nachweis dafür, dass unsere Treppe Arthrose verhindert oder grundsätzlich gesundheitlich besser ist als jede Rampe. Eine solche Aussage lässt sich aus den vorhandenen Studien nicht ableiten.

Was wir wissen – und was wir noch nicht wissen

Die Forschung beantwortet bereits einige wichtige Fragen. Andere sind überraschend offen.

Was wir relativ gut wissen

Treppensteigen verändert die Bewegungsmechanik gegenüber ebener Fortbewegung.

Hinauf- und Hinuntergehen stellen unterschiedliche Anforderungen.

Treppe und Rampe führen nicht automatisch zu denselben Bewegungsmustern.

Sehr junge Welpen müssen gesondert betrachtet werden.

Bestehende Erkrankungen können Treppen schwieriger machen.

Beim Herunterspringen steigen die gemessenen vertikalen Landespitzenkräfte mit der Höhe.

Was wir noch nicht ausreichend wissen

Wie sich normales regelmäßiges Treppensteigen bei gesunden erwachsenen Hunden über viele Jahre auf das Erkrankungsrisiko auswirkt.

Wie eine realistische Autotreppe, eine realistische Autorampe und das freie Springen im selben Versuch direkt miteinander abschneiden.

Welche Stufenhöhe und Stufentiefe für unterschiedliche Hundegrößen optimal sind.

Welcher Rampenwinkel allgemein als optimal gelten könnte.

Ob und wie stark eine bestimmte Einstiegshilfe langfristig das Risiko für Arthrose oder andere Erkrankungen verändert.

Bei diesen Fragen ist die Forschung derzeit nicht ausreichend für eine eindeutige Antwort.

Fazit

Die Aussage „Treppen sind Gift für Hunde“ ist nach der aktuellen Studienlage zu pauschal.
 

Gleichzeitig zeigen direkte biomechanische Vergleiche keinen allgemeinen Vorteil einer Rampe gegenüber einer Treppe. Konstruktion, Winkel und Bewegungsrichtung beeinflussen, wie ein Hund beide Varianten bewältigt.
 

Beim Herunterspringen aus dem Auto ist dagegen klar messbar: Mit zunehmender Höhe steigen die vertikalen Spitzenkräfte bei der Landung auf den Vordergliedmaßen. Ob und wie sich daraus langfristige Erkrankungsrisiken ergeben, ist bislang nicht ausreichend untersucht.
 

Für die Wahl einer Einstiegshilfe sind deshalb nicht nur die Begriffe „Treppe“ oder „Rampe“ entscheidend. Relevant sind unter anderem Alter, Gesundheitszustand, Körpergröße, Beweglichkeit, Akzeptanz, Stabilität, Rutschfestigkeit und die konkrete Geometrie der Einstiegshilfe.
 

Die Wissenschaft liefert dafür wertvolle Orientierung – aber noch keine universelle Lösung für jeden Hund.

Häufige Fragen

Ist Treppensteigen grundsätzlich schlecht für Hunde?

Das ist wissenschaftlich nicht belegt. Für gesunde erwachsene Hunde gibt es derzeit keine belastbare Evidenz dafür, dass normales Treppensteigen generell Gelenkschäden verursacht. Das bedeutet allerdings nicht, dass Treppen für jeden Hund und jede Situation geeignet sind.

Dürfen Welpen Treppen laufen?

Sehr junge Welpen sollten gesondert betrachtet werden. In einer prospektiven Studie mit vier großen Rassen war tägliche Treppennutzung während der ersten drei Lebensmonate mit höheren Odds für spätere Hüftdysplasie verbunden. Daraus lässt sich kein generelles Treppenverbot für alle Welpen ableiten, aber durchaus ein Grund zur Vorsicht. [6]

Bedeutet mehr biomechanische Belastung automatisch mehr Verschleiß?

Nein. Ein größerer Bewegungsumfang oder höhere gemessene Kräfte zeigen zunächst nur, dass der Körper anders beansprucht wird. Ob dadurch langfristig Arthrose oder andere Erkrankungen entstehen, muss separat untersucht werden.

Warum haben Hunde mit Arthrose häufig Probleme mit Treppen?

Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können anspruchsvollere Alltagsbewegungen schwieriger machen. Das kann sich beim Treppensteigen besonders zeigen. Daraus folgt aber nicht, dass die Treppe die Arthrose verursacht hat. [7, 8]

Können Stufen auch in Training oder Physiotherapie eingesetzt werden?

Ja, Stufen und vergleichbare Bewegungsaufgaben können in kontrollierten Rehabilitationsprogrammen gezielt eingesetzt werden. Biomechanische Studien zeigen, dass sie bestimmte Gelenkbewegungen und funktionelle Anforderungen erzeugen. Das bedeutet nicht, dass möglichst viel Treppenlaufen für jeden Hund therapeutisch sinnvoll ist. [2–5]

Sind Rampen grundsätzlich gelenkschonender als Treppen?

Ein allgemeiner biomechanischer Vorteil ist derzeit nicht belegt. In direkten Vergleichsstudien war je nach Bewegungsrichtung und betrachtetem Gelenk einmal die Rampe und einmal die Treppe mit größeren Bewegungsumfängen verbunden. [3, 9]

Welche Rolle spielt der Rampenwinkel?

Eine wichtige. Bei gleicher Ladehöhe wird eine kürzere Rampe steiler. Studien zu geneigten Flächen zeigen, dass die Neigung Bewegungsmuster, Muskelaktivität und Kraftverteilung beeinflussen kann. [5, 11]

Sollte ein Hund aus dem Auto springen?

Mit zunehmender Sprunghöhe wurden höhere vertikale Landespitzenkräfte auf den Vordergliedmaßen gemessen. Daraus lässt sich jedoch keine konkrete Schwelle ableiten, ab der ein Sprung gesundheitlich schädlich wäre. [12]

Was ist für einen älteren oder arthrotischen Hund besser?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Beweglichkeit, Schmerzen, Körpergröße, Sicherheit und die konkrete Konstruktion der Treppe oder Rampe sollten berücksichtigt werden. Bei deutlichen Einschränkungen kann eine individuelle tierärztliche oder physiotherapeutische Einschätzung sinnvoll sein.

Quellenangaben

[1]

Anderson KL, Zulch H, O'Neill DG, Meeson RL, Collins LM. Risk Factors for Canine Osteoarthritis and Its Predisposing Arthropathies: A Systematic Review. Frontiers in Veterinary Science. 2020;7:220.
 

PubMed DOI: 10.3389/fvets.2020.00220

[2]

Durant AM, Millis DL, Headrick JF. Kinematics of stair ascent in healthy dogs. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology. 2011;24(2):99–105.
 

PubMed DOI: 10.3415/VCOT-10-03-0038

[3]

Millard RP, Headrick JF, Millis DL. Kinematic analysis of the pelvic limbs of healthy dogs during stair and decline slope walking. Journal of Small Animal Practice. 2010;51(8):419–422.
 

PubMed DOI: 10.1111/j.1748-5827.2010.00956.x

[4]

Holler PJ, Brazda V, Dal-Bianco B, et al. Kinematic motion analysis of the joints of the forelimbs and hind limbs of dogs during walking exercise regimens. American Journal of Veterinary Research. 2010;71(7):734–740.
 

PubMed DOI: 10.2460/ajvr.71.7.734

[5]

Lauer SK, Hillman RB, Li L, Hosgood GL. Effects of treadmill inclination on electromyographic activity and hind limb kinematics in healthy hounds at a walk. American Journal of Veterinary Research. 2009;70(5):658–664.
 

PubMed DOI: 10.2460/ajvr.70.5.658

[6]

Krontveit RI, Nødtvedt A, Sævik BK, Ropstad E, Trangerud C. Housing- and exercise-related risk factors associated with the development of hip dysplasia as determined by radiographic evaluation in a prospective cohort of Newfoundlands, Labrador Retrievers, Leonbergers, and Irish Wolfhounds in Norway. American Journal of Veterinary Research. 2012;73(6):838–846.
 

PubMed DOI: 10.2460/ajvr.73.6.838

[7]

Wright A, Amodie DM, Cernicchiaro N, et al. Identification of canine osteoarthritis using an owner-reported questionnaire and treatment monitoring using functional mobility tests. Journal of Small Animal Practice. 2022;63(8):609–618.
 

PubMed DOI: 10.1111/jsap.13500

[8]

Souza ANA, Escobar ASA, Germano B, et al. Kinetic and Kinematic Analysis of Dogs Suffering from Hip Osteoarthritis and Healthy Dogs Across Different Physical Activities. Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology. 2019;32(2):104–111.
 

PubMed DOI: 10.1055/s-0038-1677509

[9]

Carr JG, Millis DL, Weng HY. Exercises in canine physical rehabilitation: range of motion of the forelimb during stair and ramp ascent. Journal of Small Animal Practice. 2013;54(8):409–413.
 

PubMed DOI: 10.1111/jsap.12111

[10]

Kopec NL, Williams JM, Tabor GF. Kinematic analysis of the thoracic limb of healthy dogs during descending stair and ramp exercises. American Journal of Veterinary Research. 2018;79(1):33–41.
 

PubMed DOI: 10.2460/ajvr.79.1.33

[11]

Lee DV. Effects of grade and mass distribution on the mechanics of trotting in dogs. Journal of Experimental Biology. 2011;214:402–411.
 

PubMed DOI: 10.1242/jeb.044487

[12]

Pardey D, Tabor G, Oxley JA, Wills AP. Peak forelimb ground reaction forces experienced by dogs jumping from a simulated car boot. Veterinary Record. 2018;182(25):716.
 

PubMed DOI: 10.1136/vr.104788